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Unsere Villa in Rauschen 1938 - 2008

Mein Vater hatte einen Traum: Eine Villa in Rauschen, nicht in Cranz, nicht in Neukuhren, - nein: Es musste Rauschen sein.

Das klappte nicht, weil er parteilos war. In Rauschen konnte er nach 1933 keinen Bauplatz erwerben. Also versuchte er es in Sassau, dem östlichen Nachbarort Rauschens. Dort entstand dann 1938 die “große” Villa gegenüber der Sassauer Schule, und 1939 wurde höher am Hang in Richtung Rauschen die “kleine” Villa gebaut.Unser_Haus_10~2 Unser_Haus_09~2
Die “kleine” Villa wurde wohl schon im Winter 45/46 abgerissen, und das Holz fand Verwendung als Feuerholz.

Die Straße nach Rauschen war ein reiner Sandweg. Mit dem Auto konnte man dort nicht fahren. Wenn wir zum Baden nach Rauschen gingen, musste ich mit meinen vier Jahren eine “lange” Strecke durch den tiefen Sand stapfen. Meine Schwester Renate (2 Jahre) saß im Kinderwagen oder wurde von Papa oder Mama getragen. Papa hat dann sofort mit allen Anwohnern des “Sand”-Weges auf der Südseite des Weges einen Gehweg mit festem Kies gebaut. Dann wurde die Lauferei etwas einfacher.

Im Sommer 1944 war ich mit meinen Eltern das letzte Mal in unserer Rauschener Villa an der OSTSEE. Januar 1945: Flucht aus Kumehnen. Papa war bei den Soldaten und kam im Mai 1945 nach Rantrum bei Husum an der NORDSEE. Meine Mama, meine Schwester und ich waren auf der Flucht in Hinterpommern bei Russen und Polen. Erst im Januar 1946 landeten wir in Rantrum beim Papa.

10 Jahre nach der Rauschen-Villa hatte Papa einen Traum:
“Ich baue ein neues Haus für meine Familie.” In der Reichsmark-Zeit - also vor der Währungsreform - begann der Vater, das erste “Flüchtlingshaus” im damaligen Kreis Husum zu bauen. Im September 1949 war Einzug.
(Im linken Bild steht Papa beim Steine-Tragen auf der Leiter.)
Rantrum_NachRichtfest_2   Rantrum_1949~2   Rantrum_013_2

Doch in Rauschen stand immer noch die Villa der Dufkes. Vater starb 1965 in Husum und hat seine “Traum”-Villa nicht mehr gesehen.

Meine Frau und ich waren 1992 und 1999 im Samland. In meinem Heimatort Kumehnen stand nichts mehr von unseren Wohn- und Wirtschaftsgebäuden. Es war im wahrsten Sinne des Wortes “zum Heulen”.
Doch dann in Rauschen - dem heute russischen Svetlogorsk - ein Wunder: Papas Villa stand noch. Wir wurden von den Bewohnern sehr herzlich begrüßt und durch mein Sommer-Paradies geführt.

1938

1992

1999

2008

Deutscher Neubau

Wiedersehen
nach 48 Jahren

2. Wiedersehen

Russischer Umbau
mit Restaurierung

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Papa lässt das SW-Photo in Rantrum colorieren.

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Der Holzbau wurde mit Mörtelputz versehen.

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Ursel auf dem “Sand”-Weg,
jetzt alles asphaltiert!

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Dachrinnen sind leck.

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1992: Links unsere Villa,
rechts die Sassauer Schule

Die Villa aus dem Weltall gesehen:
1938 von Papa erbaut!
2008 von dem russischen Besitzer liebevoll umgebaut und restauriert! Schön!
Das hatte ich gedacht, aber am 12. Juni 2009 stand ich vor der Villa und musste feststellen:
Das ist ein ganz neu gebautes Haus. Nur die Auffahrt zur Garage war von unserer Villa erhalten geblieben.
Unsere Villa aus der Kindheit war Geschichte.

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